Virtuelle Inbetriebnahme: Förderung der industriellen Automatisierung

Reihe „Einblicke von Experten“: KI und digitale Zwillinge als Wegbereiter für die Zukunft der Lieferketten.

Virtuelle Inbetriebnahme: Förderung der industriellen Automatisierung

Enterprise-Resource-Planning-Systeme (ERP) sind für moderne Lager- und Lieferkettenabläufe unverzichtbar. Boehringer Ingelheim, ein weltweit tätiges Pharmaunternehmen, stand vor Herausforderungen bei der Optimierung seiner Logistik- und Lagerabläufe. Um diese Probleme anzugehen, entschied sich das Unternehmen, im Rahmen seiner SAP-ERP-Implementierung auf „virtuelle Inbetriebnahme“ zurückzugreifen. In diesem Artikel wird erläutert, wie die virtuelle Inbetriebnahme funktioniert und welche Vorteile dieser Ansatz für Boehringer Ingelheim mit sich brachte.

Was ist ein digitaler Zwilling?

Ein digitaler Zwilling ist eine Nachbildung der Realität, die reale Abläufe widerspiegelt und es Unternehmen ermöglicht, Szenarien zu planen, zu testen und zu steuern sowie die optimale Konfiguration auszuwählen.

Verwendung von Enterprise Dynamics® von InControl wurde ein Digital Twin des Lagers erstellt. Dies ermöglichte es dem Unternehmen, verschiedene „Was-wäre-wenn“-Szenarien zu testen, Engpässe zu analysieren und Prozesse zu optimieren, bevor Änderungen in der realen Umgebung umgesetzt wurden.

Was ist virtuelles Inbetriebnehmen?

Die virtuelle Inbetriebnahme ist ein innovativer Ansatz, bei dem digitale Simulations- und Emulationswerkzeuge in industrielle Steuerungssysteme integriert werden. Sie verbindet die physische mit der digitalen Welt und ermöglicht es Unternehmen, Materialflüsse und Logistikabläufe zu testen, zu optimieren und zu validieren, bevor die physischen Systeme tatsächlich in Betrieb genommen werden.

Durch die Erstellung eines digitalen Zwillings ermöglicht die virtuelle Inbetriebnahme eine nahtlose Interaktion zwischen ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning), Materialflusssteuerungen (MFCs) und speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPSen) und gewährleistet so einen reibungslosen Übergang vom Entwurf zur operativen Umsetzung. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, die gesamte Logik und Kommunikation zwischen dem ERP-System einerseits und den physischen Maschinen in der Fabrik oder im Lager zu implementieren und zu testen.

So funktioniert das virtuelle Inbetriebnehmen

Unter „Virtual Commissioning“ versteht man den Prozess des Testens und Validierens von Steuerungssystemen, Automatisierungslogik und mechanischen Konstruktionen in einer virtuellen Umgebung, bevor diese in der realen Welt zum Einsatz kommen. Das Aufspüren und Beheben von Fehlern erfolgt in einer digitalen Umgebung wesentlich effizienter als in einer – kostspieligeren – realen Produktionsumgebung.
Durch Tests im Rahmen des Virtual Commissioning konnte Boehringer:

  • Führen Sie vor der Bereitstellung intensive Tests der Steuerungssoftware durch.
  • Die Systemleistung überprüfen und eine nahtlose Integration der SPS (speicherprogrammierbare Steuerung) sicherstellen.
  • Fehler bereits in einer frühen Phase der Entwicklung erkennen und beheben, um das Risiko kostspieliger Änderungen nach der Bereitstellung zu verringern.

SAP-ERP-Integration mit Materialflusssteuerung (MFC)

Das SAP-EWM-MFC-System (Extended Warehouse Management – Material Flow Control) wurde in das auf Enterprise Dynamics basierende Simulationsmodell integriert. Die Integration funktioniert wie folgt:

  • Ein Materialflussrechner (MFC) empfängt Transportaufträge von ERP-Systemen (z. B. SAP EWM-MFC), um die Bestands- und Lagerlogistik zu steuern.
  • Die Kommunikation erfolgt auf Telegrammebene, wobei Transportaufträge die Bewegungen der Ladevorrichtungen innerhalb des Systems festlegen.
  • Das Simulationsmodell integriert SPS-Logik und ermöglicht so das Testen und Validieren von Regelalgorithmen in Echtzeit.
  • Gemischte Simulationsansätze ermöglichen hybride Tests, indem für bestimmte Systembereiche physische SPSen eingesetzt werden, während für andere Bereiche digitale Modelle zum Einsatz kommen.

Geschäftliche Vorteile des virtuellen Inbetriebnahmeverfahrens

Die Umsetzung einer virtuellen Inbetriebnahme bietet erhebliche Vorteile:

  • Zeitersparnis: Eine schnellere Inbetriebnahme führt zu einer früheren Betriebsbereitschaft, wodurch Ausfallzeiten reduziert und Produktionsstarts beschleunigt werden.
  • Kostensenkung: Unternehmen senken ihre Test- und Inbetriebnahmekosten, indem sie Probleme bereits vor der Bereitstellung erkennen und beheben.
  • Risikominderung: Simulierte Tests verhindern kostspielige Fehler und stellen sicher, dass alle Systemkomponenten vor der tatsächlichen Implementierung wie erwartet funktionieren.

Praxisbeispiel mit dem Digital Twin von InControl

Die Enterprise Dynamics®-Plattform von InControl erleichtert die virtuelle Inbetriebnahme durch die Integration folgender Komponenten:

  • Steuerungsebene: SPS-Logik und Interaktionen zwischen Sensoren und Aktoren.
  • Prozesssteuerungsebene: Materialfluss und systemweiter Datenaustausch.
  • Produktionssteuerungsebene: Integration mit ERP-/MES-Systemen für eine nahtlose digitale Transformation.

Dieser ganzheitliche Ansatz ermöglicht es Unternehmen, Lagerlayouts zu simulieren, Logistikketten zu optimieren und Automatisierungslösungen vor der tatsächlichen Umsetzung zu testen, was zu einer höheren Effizienz und geringeren Betriebskosten führt.

Die Implementierung von SAP in einer Live-Produktionsumgebung ist mit hohen Anforderungen und inhärenten Risiken verbunden. Mit dem Digital Twin von InControl konnten wir diesen komplexen Prozess gründlich und risikofrei testen. Dies führte zu erheblichen Zeit- und Kosteneinsparungen sowie zu einer reibungslosen Inbetriebnahme.

Boehringer Pharma GmbH & Co. KG

Fazit

Die SAP-EWM-Implementierung bei Boehringer, die auf virtueller Inbetriebnahme und Digital-Twin-Technologie basiert, setzt Maßstäbe für die moderne Lager- und Logistikoptimierung. Die virtuelle Inbetriebnahme senkt Kosten und Zeitaufwand bei SAP-EWM-Implementierungen, indem sie die Lücke zwischen physischen und digitalen Abläufen schließt. Unternehmen, die diese Technologie nutzen, profitieren von einer schnelleren Inbetriebnahme, einem geringeren Ressourcenverbrauch und minimierten Ausfallzeiten.

Mit Enterprise Dynamics® von InControl verschaffen sich Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil, indem sie durch datengestützte Entscheidungsfindung die Zuverlässigkeit, Skalierbarkeit und betriebliche Effizienz steigern. Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung der Industrie wird die virtuelle Inbetriebnahme voraussichtlich zur Standardlösung für ERP-Implementierungen werden.

Erfahren Sie mehr über KI, digitale Zwillinge und Simulation

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KI und Simulation: Eine leistungsstarke Kombination für intelligente Lieferketten

Reihe „Einblicke von Experten“: KI und digitale Zwillinge als Wegbereiter für die Zukunft der Lieferketten.

KI und Simulation: Eine leistungsstarke Kombination für intelligente Lieferketten

Da KI weiterhin ganze Branchen revolutioniert, eröffnet ihre Integration in Simulationswerkzeuge neue Möglichkeiten für Effizienz, Risikomanagement und Entscheidungsfindung in Lieferketten. Wir sprachen mit Kees van der Klauw, dem ehemaligen Vorsitzenden der niederländischen KI-Koalition und ehemaligen Forschungsleiter bei Philips, über die Synergien zwischen KI und Simulation sowie darüber, was die Zukunft für intelligente Lieferketten bereithält.

Könnten Sie uns etwas über Ihren Werdegang erzählen und darüber, wie Sie zur KI und zum Thema Innovation gekommen sind?

Meine berufliche Laufbahn begann bei Philips, wo ich an digitalen Transformationen in verschiedenen Bereichen beteiligt war – Halbleiter, LCD-Displays, TV-Innovationen und LED-Beleuchtungssysteme. Bereits vor über einem Jahrzehnt haben wir bei Philips Research KI-Anwendungen wie den automatisierten Entwurf elektronischer Schaltungen und die Analyse von Kundenpräferenzen erforscht. Später spielte ich eine Schlüsselrolle beim Aufbau von AIOTI (heute eine führende Initiative für IoT und Edge-Computing) und leitete die Strategie und Entwicklung der niederländischen KI-Koalition. Diese Koalition besteht mittlerweile aus über 500 Partnern und fast 2.000 Experten, die an KI-Anwendungen in verschiedenen Branchen arbeiten.

Was ist Simulation? Was ist KI? Inwiefern ergänzen sie sich gegenseitig?

Simulationen werden eingesetzt, um Ergebnisse in Szenarien vorherzusagen, die zu komplex, zu kostspielig oder zu riskant sind, um sie in der Realität zu testen. Dank der Fortschritte bei der Rechenleistung können wir heute hochdetaillierte Simulationen erstellen, doch diese erfordern nach wie vor fundiertes Fachwissen. KI hingegen basiert auf statistischen Modellen, die anhand riesiger Datensätze trainiert wurden. Während Simulationsmodelle in der Regel auf bekannten physikalischen Prinzipien beruhen, ermittelt die KI Korrelationen innerhalb der Daten und deckt dabei manchmal verborgene Erkenntnisse auf. Die große Chance, die sich uns nun bietet, besteht nicht darin, das eine durch das andere zu ersetzen, sondern Simulationsmodelle (die in der Regel nur über eine sehr begrenzte Anzahl von Parametern verfügen) durch KI-Algorithmen zu ergänzen, die statistische Erkenntnisse zu Effekten liefern, die bisher zu komplex waren oder einfach übersehen wurden, um in Simulationswerkzeuge einbezogen zu werden.

Inwiefern unterscheidet sich KI, die auf einem digitalen Zwilling läuft, von KI, die auf Rohdaten basiert?

Viele KI-Modelle werden anhand großer Datensätze trainiert, um Muster und Zusammenhänge zu erkennen, was jedoch nicht zwangsläufig bedeutet, dass sie kausale Zusammenhänge verstehen. Das Training von KI ausschließlich anhand von Rohdaten erfordert umfangreiche Ressourcen, während digitale Zwillinge Fachwissen integrieren und so schnellere, genauere und nachvollziehbare Erkenntnisse liefern. Durch die Kombination von KI mit Simulationsmodellen nutzen wir Expertenwissen für effiziente und präzise Vorhersagen des Systemverhaltens. Dieser hybride Ansatz ermöglicht genaue Fertigungssimulationen unter Berücksichtigung unvorhersehbarer Faktoren wie menschliches Verhalten oder Anlagenausfälle und führt letztendlich zu einer intelligenteren Entscheidungsfindung.

Inwiefern prägt die Simulation das Lieferkettenmanagement, und wie wird KI dieses weiter verbessern?

Simulationen haben die Lieferkettenbranche bereits revolutioniert, insbesondere im Bereich Materialfluss und Fertigung, wo das interne Warenflussmanagement stark auf Simulationsmodelle angewiesen ist. Heute erstrecken sich diese Modelle über mehrere Produktionsstandorte hinweg und ermöglichen so einen integrierten und effizienten Betrieb. Initiativen im Rahmen der „Smart Industry“ verstärken diesen Trend noch weiter, indem sie programmierbare Fertigungslinien ermöglichen, in denen die einzelnen Produktionsstufen nahtlos miteinander kommunizieren. In komplexen Montagelinien mit mehreren Zulieferern ist die „Ship-to-Line“-Logistik mittlerweile Standard geworden.

Die Optimierung der Logistik – einschließlich Lagerflächenauslastung, Durchlaufzeiten, zeitkritischer Lieferungen, Beladung, Transportkosten und mehr – lässt sich durch Simulation erreichen. Eine zentrale Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Verschiedene Phasen, Standorte, Maschinen und Transportsysteme werden oft von unterschiedlichen Akteuren und Lieferanten verwaltet. Da diese Elemente nicht immer Teil eines einheitlichen Simulationsmodells sind, ist eine Feinabstimmung unerlässlich, um die Genauigkeit zu gewährleisten. Um dies zu erreichen, müssen Modelle parametrisch anpassbar sein, von Fachexperten abgestimmt werden und durch eine enge Zusammenarbeit beim Datenaustausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette unterstützt werden. Diese Notwendigkeit eines nahtlosen Datenaustauschs wird durch die Integration von KI noch entscheidender.

Dank der Fortschritte im Bereich der KI werden wir bald in der Lage sein, hochpräzise digitale Zwillinge komplexer Logistikabläufe zu erstellen – sowohl innerhalb einzelner Unternehmen als auch über gesamte Lieferketten hinweg. Diese digitalen Zwillinge werden nicht nur die Effizienz steigern und die Risikoanalyse unterstützen, sondern auch als Begleiter bei der Entscheidungsfindung in Echtzeit bei Störungen in der Lieferkette fungieren. Über die Optimierung der Logistik hinaus wird die KI-gestützte Simulation zur Nachhaltigkeit beitragen, indem sie CO₂-Fußabdrücke erfasst, die Zuverlässigkeit und Flexibilität verbessert und die Einhaltung von Vorschriften sicherstellt.

Wie kann die Kombination aus KI und Simulation die Entscheidungsfindung verbessern?

Simulationen liefern Ergebnisse auf der Grundlage festgelegter Parameter, doch menschliche Entscheidungsträger müssen diese Ergebnisse weiterhin interpretieren und dabei Aspekte wie Vorschriften, finanzielle Risiken und betriebliche Einschränkungen berücksichtigen. KI kann diesen Prozess verbessern, indem sie Simulationsengines durch KI-Modelle ergänzt (ohne sie zu ersetzen) und so umfassende digitale Zwillinge schafft, die eine datengestützte Entscheidungsfindung in Echtzeit ermöglichen.

KI ist nicht nur ein Instrument zur Effizienzsteigerung – sie ist eine Wettbewerbsnotwendigkeit.

Welche Branchen sind Vorreiter bei Innovationen im Bereich KI und Simulation?

In vielen Branchen sind Fortschritte zu verzeichnen, doch die wirkungsvollsten Innovationen verändern mühsame, aber fachkenntnisintensive Aufgaben. Zu den wichtigsten Sektoren, die von KI profitieren, gehören Logistik, Fertigung, Gesundheitswesen, Cybersicherheit und Energie. KI optimiert alles von Transportabläufen bis hin zur medizinischen Diagnostik und steigert so Effizienz und Genauigkeit. Auch in den Bereichen Werbung, Marketing und Verwaltung leistet KI einen beeindruckenden Beitrag.

Da die Datennutzung jedoch Datenschutz- und Sicherheitsvorschriften unterliegt, schreitet die Einführung von KI am schnellsten in weniger sensiblen Bereichen voran – wobei der Fokus eher auf Maschinen als auf personenbezogenen Daten liegt. Im Lieferkettenmanagement ist das Potenzial enorm und bietet Möglichkeiten, Effizienz, Widerstandsfähigkeit und Entscheidungsfindung in einem noch nie dagewesenen Ausmaß zu verbessern.

Was begeistert Sie am meisten an den KI-Entwicklungen im Bereich der Simulationssoftware?

Zwar gibt es derzeit viel Hype um generative KI und große Sprachmodelle, doch ich glaube, dass die bedeutendsten Fortschritte von speziellen Machine-Learning-Modellen kommen werden, die auf bestimmte Bereiche wie Lieferkettenmanagement, Diagnostik im Gesundheitswesen und Arzneimittelentwicklung, Bildung, Sicherheit, Energie und Verkehr zugeschnitten sind. Maschinelles Lernen wird durch die Automatisierung mühsamer menschlicher Aufgaben zu erheblichen Verbesserungen bei Effizienz, Qualität und Kostensenkung führen. Darüber hinaus gehe ich davon aus, dass KI-gestützte Simulationswerkzeuge effizienter werden und auf Systemen mit geringem Platzbedarf statt in energieintensiven Rechenzentren laufen werden.

Dies könnte lokale Server innerhalb von Unternehmen oder sogar KI-gesteuerte IoT-Geräte bedeuten, die in Anlagen oder Transportfahrzeugen eingebettet sind. Ein solcher dezentraler Ansatz bietet erhebliche Vorteile, darunter verbesserte Cybersicherheit, Ausfallsicherheit und ein optimiertes Energiemanagement, wodurch der Einsatz von KI branchenübergreifend nachhaltiger und praktischer wird.

Wie trägt Ihrer Meinung nach KI zur Nachhaltigkeit in der Lieferkette bei?

Nachhaltigkeit ist ein komplexes Thema, das oft Kompromisse zwischen verschiedenen ökologischen und wirtschaftlichen Faktoren erfordert. KI-Modelle können umfangreiche statistische Daten verarbeiten, um ganzheitlichere Nachhaltigkeitsstrategien zu entwickeln. Durch die Integration von KI in Simulationsmodelle können Unternehmen Umweltverträglichkeitsprüfungen automatisieren, den Energieverbrauch optimieren und das Abfallmanagement verbessern.

Die große Chance, die sich uns nun bietet, besteht nicht darin, das eine durch das andere zu ersetzen, sondern Simulationsmodelle (die in der Regel nur über eine sehr begrenzte Anzahl von Parametern verfügen) durch KI-Algorithmen zu ergänzen, die statistische Erkenntnisse zu Effekten liefern, die bislang zu komplex waren oder einfach übersehen wurden, um in Simulationswerkzeuge einbezogen zu werden.

Was sind die größten Herausforderungen, denen Unternehmen bei der Integration von KI in ihre Systeme gegenüberstehen?

Die größte Herausforderung liegt in der Verfügbarkeit und Qualität der Daten zum Trainieren von KI-Systemen. Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, aussagekräftige Erkenntnisse aus verstreuten Systemen zu sammeln und zu gewinnen. Wichtige Daten – wie Maschinenverfügbarkeit, Zykluszeiten und Wartezeiten für Transportroboter – bleiben oft isoliert und werden nicht ausreichend genutzt.

Eine weitere Herausforderung ist die Gewinnung des richtigen Fachwissens. Unternehmen müssen in der Regel Datenwissenschaftler einstellen oder Partnerschaften mit Start-ups eingehen, da dem vorhandenen Personal möglicherweise die speziellen Fähigkeiten für KI-Projekte fehlen. Gleichzeitig sind erfahrene Mitarbeiter unverzichtbar, um hochwertige Anwendungsfälle zu identifizieren und Fachwissen einzubringen.

Schließlich ist ein starkes Engagement der Unternehmensleitung entscheidend. Führungskräfte müssen sich über die weiterreichenden Auswirkungen der KI informieren, einschließlich der Abhängigkeiten von externen Plattformen und der Kontrolle über wichtige Geschäftsprozesse, anstatt einfach nur Trends zu folgen.

Da die Datennutzung jedoch Datenschutz- und Sicherheitsvorschriften unterliegt, schreitet die Einführung von KI in weniger sensiblen Bereichen am schnellsten voran – wobei der Schwerpunkt eher auf Maschinen als auf personenbezogenen Daten liegt. Im Lieferkettenmanagement ist das Potenzial enorm und bietet Möglichkeiten, Effizienz, Widerstandsfähigkeit und Entscheidungsfindung in einem noch nie dagewesenen Ausmaß zu verbessern.

Welche Schlüsselkompetenzen sollten Unternehmen entwickeln, um den Nutzen von KI in der Simulation zu maximieren?

Unternehmen sollten zunächst die Simulation ihrer Kernprozesse beherrschen und dabei sicherstellen, dass KI ihre Modelle ergänzt, anstatt sie zu ersetzen. Darüber hinaus ist Fachwissen im Bereich Datenmanagement von entscheidender Bedeutung, da KI auf hochwertige Daten angewiesen ist. Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter zudem darüber aufklären, wie KI sie bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt, und so eine Kultur der datengestützten Entscheidungsfindung fördern.

Dabei könnte es sich um lokale Server innerhalb von Unternehmen oder sogar um KI-gesteuerte IoT-Geräte handeln, die in Maschinen oder Transportfahrzeugen eingebettet sind. Ein solcher dezentraler Ansatz bietet erhebliche Vorteile, darunter eine verbesserte Cybersicherheit, Ausfallsicherheit und ein optimiertes Energiemanagement, wodurch der Einsatz von KI branchenübergreifend nachhaltiger und praktikabler wird.

Dank der Fortschritte im Bereich der KI werden wir schon bald in der Lage sein, hochpräzise digitale Zwillinge komplexer Logistikabläufe zu erstellen – sowohl innerhalb einzelner Unternehmen als auch über gesamte Lieferketten hinweg.

Was sind die größten Fallstricke, auf die Führungskräfte achten sollten?

Führungskräfte müssen bei der Anwendung von KI zwischen primären und sekundären Prozessen unterscheiden. So ist beispielsweise der Einsatz von KI zur Erstellung von Marketinginhalten ein risikoarmer sekundärer Prozess, während der Einsatz von KI in Kernbereichen – wie der Optimierung der Lieferkette – fundiertes Fachwissen und geschäftliche Kontrolle erfordert. Eine weitere Gefahr besteht darin, sich zu stark auf externe KI-Plattformen zu verlassen, was langfristige Abhängigkeiten schaffen kann, anstatt echte Wettbewerbsvorteile für das eigene Unternehmen zu bieten.

Was passiert, wenn Unternehmen keine KI-Technologie einsetzen?

KI ist nicht nur ein Instrument zur Effizienzsteigerung – sie ist eine Wettbewerbsnotwendigkeit. Unternehmen, die es versäumen, KI einzuführen, laufen Gefahr, an Marktrelevanz zu verlieren, da KI-gestützte Wettbewerber ihre Kosten optimieren, Risiken mindern und neue Geschäftsmodelle erschließen. Die Einführung von KI sollte jedoch strategisch erfolgen, um sicherzustellen, dass sie die Kernkompetenzen stärkt, anstatt Abhängigkeiten zu schaffen.

Abschließende Gedanken

KI und Simulation sind keine konkurrierenden Technologien – sie sind sich ergänzende Werkzeuge, die in Kombination präzisere, skalierbarere und intelligentere digitale Zwillinge hervorbringen. Angesichts einer zunehmend komplexen und unvorhersehbaren Welt werden KI-gestützte Simulationen für Unternehmen zu einem entscheidenden Faktor bei der Optimierung der Lieferkette, der Nachhaltigkeit und der Entscheidungsfindung.

Angesichts der rasanten Entwicklung der KI müssen Unternehmen auf Innovation setzen, in Fachwissen investieren und eine datengestützte Strategie entwickeln, um in der sich ständig wandelnden Lieferkettenlandschaft die Nase vorn zu behalten.

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InControl wird auf der LogiMAT 2026 ausstellen – der führenden internationalen Fachmesse für Intralogistiklösungen und Prozessmanagement!

Stand Nr. 4A65 / 24.–26. März 2026