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Warum investieren Unternehmen aus der Materialflussbranche in Software für digitale Zwillinge im Lagerbereich?

Christophe Vreeke ·

Unternehmen der Materialwirtschaft investieren in Software zur Simulation von Lagern mittels digitaler Zwillinge, um ihre Abläufe in einer risikofreien virtuellen Umgebung zu modellieren, zu testen und zu optimieren, bevor sie kostspielige physische Umstellungen vornehmen. Durch die Erstellung einer in Echtzeit mit Daten vernetzten Nachbildung eines Lagers können diese Unternehmen Investitionen in Ausrüstung validieren, Engpässe identifizieren und neue Arbeitsabläufe einem Stresstest unterziehen, ohne den täglichen Betrieb zu stören. Die folgenden Fragen beleuchten genau, wie und warum diese Technologie im Jahr 2026 zu einer strategischen Priorität geworden ist.

Welche geschäftlichen Herausforderungen veranlassen Materialflussunternehmen dazu, auf digitale Zwillinge zu setzen?

Die zentralen geschäftlichen Probleme sind operative Ineffizienz, kostspielige Investitionsrisiken und die Unmöglichkeit, Prozessänderungen zu testen, ohne den laufenden Betrieb zu stören. Materialflussumgebungen sind komplexe Systeme, in denen Förderbänder, Sortieranlagen, Kommissionierstationen und Mitarbeiter ständig miteinander interagieren. Ein einziger Engpass oder eine falsch kalkulierte Kapazitätsentscheidung kann eine Kettenreaktion auslösen, die dazu führt, dass Durchsatzziele verfehlt, Personalkosten steigen und Service-Level-Vereinbarungen nicht eingehalten werden.

Herkömmliche Planungswerkzeuge wie Tabellenkalkulationen, WMS-Dashboards und ERP-Berichte erfassen zwar historische Daten, können jedoch nicht vorhersagen, wie sich ein System unter neuen Bedingungen verhalten wird. Wenn ein Unternehmen plant, Automatisierungsmaßnahmen einzuführen, eine Anlage zu erweitern oder Produktflüsse umzuleiten, gibt es keine sichere Möglichkeit, diese Änderungen in der Praxis ohne Risiko zu testen. Genau in dieser Lücke bieten Simulationssoftware für die Materialflusssteuerung und „Digital Twin“-Tools für Lagerbetriebe einen Mehrwert.

  • Ermittlung von Engpässen: Genaue Bestimmung der Stellen, an denen der Durchsatz bei Spitzenauslastung zusammenbricht
  • Kapazitätsplanung: Ermitteln, welches Volumen ein System realistisch bewältigen kann, bevor zusätzliche Geräte angeschafft werden
  • Investitionsprüfung: Bestätigung, dass ein geplanter Sortierer, eine Förderanlage oder ein automatisches Lagersystem die Leistungsziele erfüllen wird
  • Personaloptimierung: Ermittlung der richtigen Anzahl an Mitarbeitern pro Schicht, ohne dass es zu Über- oder Unterbesetzung kommt
  • Risikominderung: Virtuelles Testen betrieblicher Änderungen, bevor konkrete Maßnahmen ergriffen werden

Wie modelliert eine Digital-Twin-Software eigentlich ein Lager?

Eine Software zur Lager-Simulation mit digitalem Zwilling erstellt eine dynamische, virtuelle Nachbildung eines Lagers, indem sie die räumliche Anordnung, die Funktionsweise der Anlagen, die Produktflüsse und die Betriebsregeln in einem einzigen ausführbaren Modell vereint. Im Gegensatz zu einem statischen Grundriss oder einer Prozesskarte wird das Modell über einen simulierten Zeitraum hinweg ausgeführt, sodass sich jedes Förderband, jede Kommissionierstation und jede Routenentscheidung genau so verhält, wie es in der realen Anlage der Fall wäre.

In der Praxis erfolgt der Modellierungsprozess schrittweise. Die Ingenieure beginnen damit, den physischen Aufbau zu importieren oder zu zeichnen, und platzieren anschließend vorgefertigte Komponenten, die Förderbänder, Sortierer, Puffer, Arbeitsstationen und Lagerplätze darstellen. Jede Komponente verfügt über konfigurierbare Logik: Geschwindigkeiten, Kapazitäten, Ausfallraten und Entscheidungsregeln. Anschließend werden Produktaufträge in das Modell eingespeist – entweder aus historischen Daten oder aus einem angeschlossenen WMS- oder ERP-System –, sodass die Simulation unter realistischen Nachfragemustern läuft.

Sobald das Modell in Betrieb ist, generiert es Leistungsdaten in Echtzeit: Durchsatzraten, Warteschlangenlängen, Anlagenauslastung und Ressourcenverbrauch. Ingenieure können die Simulation anhalten, Parameter anpassen und Szenarien erneut durchspielen, um die Ergebnisse zu vergleichen. Das Ergebnis ist eine Lagersimulationsumgebung, in der jede „Was-wäre-wenn“-Frage eine quantifizierte Antwort erhält, bevor physische Änderungen vorgenommen werden.

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Was ist der Unterschied zwischen einem digitalen Zwilling und einer Lagersimulation?

Der entscheidende Unterschied liegt in der Anbindung an Live-Daten. Eine Lagersimulation ist ein Modell, das entwickelt wurde, um bestimmte Fragen zur Konzeption oder Planung zu beantworten, wobei historische oder geschätzte Daten als Eingabe dienen. Ein digitaler Zwilling ist eine Simulation, die nahezu in Echtzeit mit realen Betriebsdaten verbunden ist, sodass das virtuelle Modell kontinuierlich den aktuellen Zustand der tatsächlichen Anlage widerspiegelt.

In der Praxis wird eine Simulation in der Regel während der Entwurfs- oder Vorinvestitionsphase eingesetzt. Ingenieure erstellen das Modell, führen Szenarien durch, ziehen Schlussfolgerungen, und anschließend wird das Modell unter Umständen beiseitegelegt. Ein digitaler Zwilling hingegen bleibt aktiv und wird mit dem Live-Betrieb synchronisiert. Er kann auf aufkommende Probleme hinweisen, die laufende Entscheidungsfindung unterstützen und dazu genutzt werden, betriebliche Anpassungen zu testen, wenn sich die Bedingungen ändern.

Allerdings ist die Grenze zwischen beiden nicht immer klar gezogen. Viele Unternehmen aus dem Bereich Materialfluss beginnen mit einem Projekt zur Diskret-Ereignis-Simulation, um eine Konstruktionsentscheidung zu validieren, und entwickeln dieses Modell dann im Zuge der Weiterentwicklung ihrer Dateninfrastruktur zu einem dauerhaften digitalen Zwilling weiter. Beide Ansätze nutzen dieselbe zugrunde liegende Modellierungstechnologie und liefern echte Einblicke in den Betriebsablauf.

Welche Investitionen im Bereich Materialfluss werden mit Digital-Twin-Software validiert?

Software zur Simulation von Lagern mittels digitaler Zwillinge wird am häufigsten eingesetzt, um Investitionen in Automatisierung, Anlagenerweiterungen und Systemumgestaltungen zu validieren, bevor Kapital gebunden wird. Dabei handelt es sich um Entscheidungen, bei denen die Kosten eines Fehlers hoch sind und die Möglichkeiten für Tests unter realen Bedingungen begrenzt sind oder gar nicht bestehen.

  1. Automatisierte Lager- und Kommissioniersysteme (AS/RS): Überprüfung, ob eine geplante AS/RS-Simulation die Durchsatzziele sowohl bei Spitzen- als auch bei Nebenzeiten erfüllt
  2. Sortier- und Förderanlagen: Überprüfung der Routing-Logik, der Zusammenführungspunkte und der Kapazität unter realistischen Auftragsmischungen mithilfe einer Fördersimulation
  3. „Goods-to-Person“-Kommissioniersysteme: Prüfung der Kommissioniergeschwindigkeit, der Puffergröße und der Ergonomie der Arbeitsplätze vor der Bestellung der Ausrüstung
  4. Anlagenerweiterung oder Neubaukonzeption: Vergleich verschiedener Layout-Alternativen zur Ermittlung der Konfiguration mit dem besten Durchsatz-Kosten-Verhältnis mithilfe einer Intralogistik-Simulation
  5. Änderungen am Lagerverwaltungssystem: Simulation der betrieblichen Auswirkungen neuer WMS-Logik oder Einlagerungsstrategien, ohne das Produktivsystem zu beeinträchtigen
  6. Personalplanung für Mehrschichtbetrieb: Ermittlung des optimalen Personalbedarfs und der optimalen Schichtstrukturen, um die Service-Level-Ziele zu erreichen, ohne unnötige Personalkosten zu verursachen

All diesen Fällen ist gemeinsam, dass die Investition so hoch ist, dass ein virtueller Proof-of-Concept weitaus kostengünstiger ist, als erst nach der Umsetzung einen Konstruktionsfehler zu entdecken.

Wie senkt Digital-Twin-Software die Betriebskosten im Lager?

Digital-Twin-Software senkt die Betriebskosten im Lager, indem sie das Trial-and-Error-Verfahren überflüssig macht, das normalerweise mit betrieblichen Veränderungen einhergeht. Wenn ein Unternehmen einen neuen Prozess, eine neue Anordnung oder ein neues Personalmodell virtuell testen und dessen Auswirkungen vor der Inbetriebnahme messen kann, vermeidet es Produktivitätsverluste, Nacharbeitskosten und Ausfallzeiten der Anlagen, die entstehen, wenn Probleme erst im realen Betrieb entdeckt werden.

Die Kosteneinsparungen zeigen sich in mehreren konkreten Bereichen. Durch eine Engpassanalyse lässt sich feststellen, wo Anlagen nicht ihre volle Leistung erbringen oder wo Arbeitskraft verschwendet wird, weil auf den Anschluss vorangehender Prozesse gewartet werden muss. Szenariotests zeigen auf, welche betrieblichen Änderungen die größte Durchsatzsteigerung bei geringsten zusätzlichen Kosten bewirken. Die Optimierung des Materialflusses durch Kapazitätsmodellierung verhindert übermäßige Investitionen in Anlagen, die unter realistischen Nachfragemustern nicht voll ausgelastet werden.

Im Laufe der Zeit senken Unternehmen, die Digital-Twin-Technologie einsetzen, auch die Kosten für die Planung selbst. Anstatt teure physische Pilotprojekte in Auftrag zu geben oder sich bei der Durchführung manueller Analysen auf Berater zu verlassen, können interne Ingenieurteams komplexe betriebliche Fragen mithilfe des virtuellen Modells schnell und eigenständig beantworten.

Wann sollte ein Materialtransportunternehmen damit beginnen, Digital-Twin-Software einzusetzen?

Ein Materialflussunternehmen sollte mit dem Einsatz einer Digital-Twin-Lagerverwaltungssoftware beginnen, sobald die Komplexität des Betriebs das Maß überschreitet, das mit Tabellenkalkulationen und Standard-Berichtstools noch zuverlässig abgebildet werden kann. In der Praxis tritt dieser Zeitpunkt oft ein, wenn ein Unternehmen eine bedeutende Kapitalinvestition plant, wiederholt mit Durchsatzproblemen konfrontiert ist, deren Ursache es nicht diagnostizieren kann, oder sich auf eine erhebliche Ausweitung des Betriebs vorbereitet.

Je früher im Projektverlauf die Software zum Einsatz kommt, desto größer ist der Nutzen. Ein digitaler Zwilling, der bereits in der Planungsphase einer neuen Anlage oder eines Automatisierungsprojekts erstellt wird, kann grundlegende Entscheidungen hinsichtlich der Anordnung und der Ausrüstung beeinflussen und so einen Mehrwert schaffen, der sich über die gesamte Betriebsdauer des Systems hinweg summiert. Der Einsatz derselben Technologie nach der Implementierung liefert zwar weiterhin einen Mehrwert für die fortlaufende Optimierung, doch die Entscheidungen mit den größten Auswirkungen sind zu diesem Zeitpunkt bereits getroffen worden.

Unternehmen, die in den Bereich E-Commerce-Fulfillment expandieren, eine bestehende Anlage um eine Simulation zur Lagerautomatisierung erweitern oder zunehmend schwankende Nachfragemuster bewältigen müssen, sind im Jahr 2026 besonders geeignete Kandidaten für den Einsatz von Digital Twins. Die operativen Risiken in diesen Umgebungen sind so hoch, dass die Kosten eines Modellierungsprojekts im Vergleich zu dem Risiko, das dadurch gemindert wird, gering sind.

Wie Enterprise Dynamics Unternehmen im Bereich Materialfluss unterstützt

Enterprise Dynamics ist unsere DES-Simulationsplattform, die speziell für die komplexen Anforderungen von Materialfluss- und Intralogistikumgebungen entwickelt wurde. Sie bietet Ingenieurteams die Werkzeuge, um präzise virtuelle Modelle von Lagerhäusern, Distributionszentren und automatisierten Systemen zu erstellen und diese Modelle anhand realistischer Nachfragedaten zu simulieren, um die wichtigsten Fragen zu beantworten.

  • Modellierung per Drag-and-Drop: Vorgefertigte Atome für Förderbänder, Sortieranlagen, Puffer und Arbeitsstationen ermöglichen die schnelle Erstellung präziser Anlagenmodelle
  • WMS- und ERP-Integration: Verbinden Sie das Modell direkt mit operativen Echtzeitdaten, um echte Digital-Twin-Fähigkeiten zu nutzen
  • 2D- und 3D-Visualisierung: Vermitteln Sie die Ergebnisse anschaulich an die Beteiligten, die das System in Aktion sehen müssen und sich nicht nur mit einem Bericht begnügen können.
  • „Was-wäre-wenn“-Szenario-Tests: Vergleichen Sie verschiedene Layout-Varianten, Personalmodelle und Automatisierungskonfigurationen nebeneinander, bevor eine konkrete Entscheidung getroffen wird.
  • Durchsatz- und Engpassanalyse: Ermitteln Sie genau, wo Leistungsengpässe auftreten, und quantifizieren Sie die Auswirkungen vorgeschlagener Verbesserungen

Wenn Ihr Team eine Investition in ein Lager plant, mit wiederkehrenden Herausforderungen beim Durchsatz zu kämpfen hat oder sich auf eine Ausweitung des Betriebs vorbereitet, zeigen wir Ihnen gerne, wie Enterprise Dynamics Ihnen in Ihrer konkreten Situation helfen kann. Nehmen Sie Kontakt mit unserem Team auf, um ein Gespräch zu vereinbaren.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es in der Regel, einen funktionsfähigen digitalen Zwilling eines bestehenden Lagers zu erstellen?

Der Zeitrahmen hängt von der Komplexität der Anlage und der Verfügbarkeit der Daten ab, doch in den meisten Materialflussumgebungen lässt sich innerhalb weniger Wochen ein funktionsfähiges Modell erstellen. Ein einfaches Distributionszentrum mit gut dokumentierten Grundrissen und zugänglichen WMS-Daten lässt sich schneller modellieren, während die genaue Konfiguration einer hochautomatisierten Anlage mit mehreren Zonen unter Umständen mehr Zeit in Anspruch nimmt. Der größte Zeitfaktor ist in der Regel nicht die Software selbst, sondern die Erfassung sauberer, strukturierter Daten zu Gerätespezifikationen, Auftragsprofilen und Betriebsregeln – daher verkürzt ein frühzeitiger Beginn der Datenerfassung den gesamten Projektzeitrahmen erheblich.

Welche Daten müssen wir bereithalten, bevor wir ein Digital-Twin-Projekt starten?

Die wesentlichen Eingabedaten sind Ihr Anlagenlayout (CAD-Dateien oder detaillierte Grundrisse), die technischen Daten der Anlagen (Förderbandgeschwindigkeiten, Sortierkapazitäten, Taktzeiten), historische Auftrags- und SKU-Daten sowie Ihre aktuellen Betriebsregeln wie Routing-Logik und Schichtstrukturen. WMS- oder ERP-Exportdateien, die einen repräsentativen Bedarfszeitraum abdecken – idealerweise einschließlich einer Hochsaison –, sind besonders wertvoll, da sie es ermöglichen, das Modell anhand realistischer Volumenmuster statt anhand von Schätzungen zu betreiben. Sie benötigen keine perfekten Daten, um loszulegen; erfahrene Simulationsingenieure können mit den Ihnen vorliegenden Daten arbeiten und darauf hinweisen, wo Datenlücken zu Unsicherheiten in den Modellergebnissen führen.

Lässt sich die Digital-Twin-Software in unser bestehendes WMS- oder ERP-System integrieren, und wie aufwendig ist diese Integration?

Ja, moderne Digital-Twin-Plattformen wie Enterprise Dynamics sind so konzipiert, dass sie sich mit WMS- und ERP-Systemen verbinden können, um operative Daten in Echtzeit oder nahezu in Echtzeit in das Modell zu übernehmen. Die Komplexität der Integration hängt von der Verfügbarkeit der APIs und den Datenformaten Ihres Systems ab, doch die meisten gängigen WMS-Plattformen unterstützen Datenexporte oder direkte Verbindungen, die von Simulationssoftware genutzt werden können. Für Unternehmen, die noch nicht für eine Live-Integration bereit sind, kann dieselbe Software im Offline-Modus mit exportierten historischen Datendateien ausgeführt werden, was auch während der Entwicklung der Dateninfrastruktur einen erheblichen Mehrwert für die Planung und Validierung bietet.

Wie hoch ist der typische ROI einer Investition in eine Digital-Twin-Lagerverwaltungssoftware und wie wird er gemessen?

Der ROI wird in der Regel gemessen, indem die Kosten des Modellierungsprojekts mit dem Wert der dadurch vermiedenen Fehler, der optimierten Investitionen und der damit ermöglichten Durchsatzsteigerungen verglichen werden. Eine einzige vermiedene Fehlkalkulation bei der Ausrüstung – beispielsweise die Feststellung, dass ein geplanter Sortierer das Spitzenvolumen nicht bewältigen kann, bevor er gekauft und installiert wird – kann die Gesamtkosten eines Simulationsprojekts leicht übersteigen. Weitere Faktoren für den ROI sind Personaleinsparungen durch optimierte Personalbesetzungsmodelle, geringere Honorare für Planungsberater und schnellere Entscheidungszyklen. Auch wenn die konkreten Zahlen je nach Projekt variieren, berichten Materialflussunternehmen häufig, dass sich die Investition in Software und Modellierung durch eine einzige validierte Investitionsentscheidung um ein Vielfaches amortisiert.

Ist Digital-Twin-Software nur für große Lager nützlich, oder können auch kleinere Betriebe davon profitieren?

Digital-Twin-Software richtet sich nach der Komplexität des Betriebs und nicht nach dessen physischer Größe. Kleinere Anlagen mit hoher Automatisierungsdichte, komplexer Routing-Logik oder erheblichen Schwankungen im Durchsatz können ebenso davon profitieren wie große Distributionszentren. Der entscheidende Faktor ist nicht die Fläche, sondern die betriebliche Komplexität – wenn Ihr System aus voneinander abhängigen Anlagen besteht, variable Nachfragemuster aufweist oder wiederkehrende Engpässe aufweist, die mit Standardauswertungen nur schwer zu diagnostizieren sind, kann ein Digital Twin unabhängig von der Anlagengröße Klarheit schaffen. Allerdings ist die wirtschaftliche Argumentation am überzeugendsten, wenn eine Investitionsentscheidung oder eine betriebliche Herausforderung so groß ist, dass die Kosten eines Fehlentscheidens die Kosten des Modellierungsprojekts deutlich übersteigen.

Woher wissen wir, ob das Digital-Twin-Modell genau genug ist, um sich bei tatsächlichen Investitionsentscheidungen darauf verlassen zu können?

Die Modellvalidierung ist ein entscheidender Schritt in jedem seriösen Digital-Twin-Projekt. Dabei wird das Modell auf einen bekannten historischen Zeitraum angewendet und seine Ergebnisse – Durchsatzraten, Warteschlangenlängen, Anlagenauslastung – werden mit den tatsächlichen Betriebsdaten aus eben diesem Zeitraum verglichen. Wenn das Modell die tatsächlichen Abläufe genau nachbildet, hat es das nötige Vertrauen gewonnen, um zukünftige Szenarien zu testen. Erfahrene Simulationsingenieure bauen von Beginn an Validierungskontrollpunkte in das Projekt ein und legen offen dar, wo Modellannahmen zu Unsicherheiten führen, damit Entscheidungsträger die Ergebnisse entsprechend abwägen können.

Was geschieht mit dem Digital-Twin-Modell, nachdem das ursprüngliche Projekt abgeschlossen ist – kann es wiederverwendet werden?

Auf jeden Fall, und die Wiederverwendbarkeit ist eines der stärksten langfristigen Argumente für diese Investition. Sobald ein Modell erstellt und validiert ist, wird es zu einem „lebendigen“ Vermögenswert, der aktualisiert und erneut ausgeführt werden kann, während sich Ihr Betrieb weiterentwickelt – neue Produktlinien, veränderte Auftragsprofile, zusätzliche Automatisierung oder Werkserweiterungen können alle in das bestehende Modell integriert werden, anstatt von Grund auf neu beginnen zu müssen. Unternehmen, die ihre Modelle langfristig pflegen, stellen fest, dass die Beantwortung neuer betrieblicher Fragen zunehmend schneller und kostengünstiger wird, da die Grundlagenarbeit bereits geleistet ist. Dies ist auch der natürliche Weg von einem einmaligen Simulationsprojekt hin zu einem beständigen digitalen Zwilling, der die laufende betriebliche Entscheidungsfindung unterstützt.

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